Affen-Theater

Gib mir die Nuss!!!

Jaipur. Tag zwei. 11. Juni. Die Luft ist heiß. Die Rikschah flitzt dahin und ich springe auf der orangenen Rückbank ab und an von links nach rechts, dank der sehr unsanften Methode in Indien, den Verkehr zu beruhigen: „asphaltierte Stoßdämpfer-Testanlage“, nenne ich sie auch. Plötzlich auftauchende kleine, fiese Bodenschwellen, gerne vier, fünf hintereinander (es muss sich ja lohnen).

Super-Salim (ein sehr kompetenter Rikschah-Fahrer = ein weiterer Engel auf meiner Reise) hat mich überredet den Monkey Tempel anzusehen. Ich wollte eigentlich keinen weiteren Tempel sehen, sondern lieber Leute fotografieren. Er meint aber, das wird mir sicher gefallen und am Ende komme ich auf den Affen und zu meinen Menschen auf dem Kamerachip. Zwei Affen – äh – Fliegen, versteht sich, mit einer Rikschah-Fahrt = gute Quote.

Der Tempel an sich ist schon ziemlich runtergerockt und auf den ersten zwanzig Metern, will man mir schon dreimal weiß machen, dass es hier „Pflicht“ wäre eine Spende zu geben. Ich kenne diesen indischen Pflicht-Faktor jetzt aber schon und verweise freundlich darauf, dass ich später spenden werde und die Höhe der Spende würde ich dann schon gerne selbst bestimmen. – Denn die, selbstverständlich, ist mit 500 Rupies angepasst auf meinen Status „naiver Tourist“.

Sind mir die Affen anfangs nicht geheuer, weil viel zu viele davon, kaufe ich trotzdem einen Beutel Nüsse, des guten Karmas wegen, wie mir der Verkäufer „erklärt“ und verteidige diesen bis ich endlich ganz oben beim Priester und den diversen Göttern, die hier gehuldigt werden, angekommen bin.

Und wahrlich, die Verteidigung heißt Carolin gegen stattlichen Affen, der natürlich die Tüte in meiner Hand schon zehnmal früher gesehen hat, als ich den Affen und schnur-stracks auf mich zugelaufen kommt.

Da er aber die Zähne schön eingepackt lässt und ich wohl irgendwie heute Morgen „Mut“ gefrühstückt habe, zische ich ihn böse an, dass beeindruckt ihn erstaunlicher weise, so dass er nur nach meiner Kamera grapscht und ich froh bin, dass der Trageriemen stets fest um mein Handgelenkt gewickelt ist. (Wie naiv zu glauben, dass ich die Kamera gegen Diebe menschlicher Natur schützen muss… Indien ist in vielem anders…)

Oben beim Priester soll ich mich auch gleich mal setzen. Es wird gleich auf mich eingeredet. Ich erhalte ein rotes Band, inklusive gesprochenen Mantra und bin mir bereits nach fünf Sekunden sicher wo das ganze enden wird und bekomme dies mit dem kleinen A5-Durchschlagblock für Spendenrechnungen am Ende auch bestätigt.

Ich erhalte allerdings dafür auch noch einen roten Punkt auf der Stirn und gebe zum zweiten Mal voller Mut, meine Kamera aus der Hand, nun auch in die richtigen Hände, um dafür zusätzlich lustige Carolin-füttert-voller-Respekt-kleine-Affen-Bilder zu bekommen.

Lustig war es und schon erstaunlich wie viel Affen-Augen einem erzählen. „Gib mir endlich die blöde Nuss, du Nuss.“ „Pffff, glaubst du wirklich ich nehm’ eine von den dunkel braunen Nüssen? Die sind voll bitter.“ „Wer hat dir eigentlich gesagt, mir nur eine Nuss nach der anderen zu geben? Gib mir alle, geht schneller und ich sortier die guten schon in mein Kröpfchen, äh, Mäulchen.“

(Übrigens hat der Prietser mir den Ein-Nuss-Trick gegeben, dann lässt es sich besser Fotos schießen und die Affen, die erfahren auch ab und an mal, dass wir nicht immer nur nach ihrer Nase tanzen :) – Zzzzzzz, ist ja auch ein Theater mit den Äffchen.

Auf dem Weg nach unten, oh Wunder, muss ich wieder auf einen Kamerachip. Doch diesmal bin ich mutig und frage, ob ich im Gegenzug die Reinigungsprozedur der Besucher fotografieren darf und ich darf und – wer hätte es erwartet – ich MUSS.

War die Kamera erst entdeckt, gab es plötzlich unzählige, die sich auf dem Display bewundern wollten und es gab auch genaue Anweisungen, wie ich das zu tun hatte. Ich – ich wollte gerne nah ran. Die Männer, die wollten sich gerne schön in ihrer ganzen Pracht ansehen.

Einzig artig lustig war das und als es hieß, ich sollte auch baden, da wusste ich, jetzt wird es Zeit zu gehen. Obwohl, hätte ich ein zweites vertrauensvolles Paar Hände an meiner Seite gewusst, dann hätt’ ich nur all zu gerne Kamera und Rucksack aus der Hand gegeben und wäre ins kühle Nass gehüpft. …

Auf dem Weg zum Tempel tue ich auch schon mal was für mein Karma und kaufe das Frühstück für diese hübschen Zeitgenossen. Und, Super-Salim, Engel No. 2, hat mein volles Vertrauen und ich geben die Kamera aus der Hand und tatttttaaaaaaa… Plötzlich gibt es Fotos von mir :) :) :)

Die erste Schröpf-Station des Tempels. Kamera-Ticket kaufen. – Der Deal von meiner Seite: „Dafür krieg ich ein Foto.“ :)

Putzig? Ja – Eigenwillig und ohne Skrupel? Ebenfalls. For sure … Nichts geht über eine gute Nuss…

„Na gut – pffffff – wenn du unbedingt willst, dass ich Bananen esse, tu ich dir den Gefallen. Gib SCHON HERRRRRRRRRRRRRR!!!!“ (Diese kleinen Biester. Wie sagt man, ich würde für XYZ töten…. Die für Banane & Nuss vielleicht sogar auch … Ist aber auch ein Theater mit den Äffchen :) )

Nono, die hab ich für dich eingefangen … Haben ganz brav schweren Lehm über all die Stufen des Tempels geschleppt …

Der Priester – hier ohne sein Spenden-Quittungsblock im Bild zu sehen :)

Hier waren Äffchen und ich uns nicht mehr so einig … Danach kam der Boss und dann flogen die Äffchen nur so um mich herum, gejagt vom Boss. Der Stock rechts von mir flog auch. Ich hab sie nur mehr kreischen gehört und dabei tief geatmet, mich nicht gerührt und drei Kreuze gemacht, dass ich gegen Tollwut geimpft bin :) Aber, sie haben alle ihre Zähne dort gelassen, wo sie hingehören, immerhin bin ich ja auch keine Nuss … Also wenn nur eine von denen, die sie wohl eher aussortieren würden, Sorte „dumme Nuss“ :) … Auf jeden Fall eine (lustige) Erfahrung wert :) …

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3 Kommentare

  1. bibi

    hoff du hast so ein süßes äffchen eingepackt – wär ein super mitbringsel ;)

    • Linda Tiga

      hab’s probiert, das süße ding hat sich allerdings von innen nach außen gefressen, vermutlich auf der suche nach der nuss :)

  2. 2. kleines Fräulein

    HA, ich wußte es, so ein freches Ding hat mich mal im Wildpark Schwarze Berge gebissen! Ernsthaft! Mit 15 ohne böse Gedanken, nuuur mal kurz streicheln..nicht so lustig. Deine Äffchen waren da etwas besser erzogen ;-) Sehr charaktervolle Menschen hast du fotografiert! Fühlt dich gedrückt!

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